50 Jahre Berufliche Gymnasien Baden-Württemberg

von Manuel Dohmen, Kaufmännische Schulen Waldshut

Als die Kölner Schülerin Naina Anfang vergangenen Jahres auf Twitter schrieb, sie sei zwar in der Lage in vier verschiedenen Sprachen fließend Gedichte zu interpretieren, habe aber keine Ahnung von praktischen Dingen wie Miete, Versicherungen und Steuern, wollte sie einfach nur ihrem Frust über lebensferne Unterrichtsinhalte Luft machen.

Egal, welche Position man in dieser Diskussion bezog, sie wäre womöglich nie ausgelöst worden, hätte Naina anstatt eines Kölner Mädchengymnasiums ein Berufliches Gymnasium besucht. Diese leider etwas im Schatten ihrer allgemeinbildenden Schwester stehende Schulform feiert dieser Tage ihr 50-jähriges Bestehen in Baden-Württemberg. Sie soll mit ihren 14 verschiedenen Profilen – von A wie Agrarwissenschaft bis W wie Wirtschaft – schon während der Schulzeit neben allgemeinbildenden Fächern berufsspezifisches Wissen vermitteln und so auf die jeweiligen Interessen und die berufliche Zukunft der Schülerinnen und Schüler zugeschnittenen Unterricht ermöglichen. Beispiele für diese praxisnahen Schulfächer sind etwa Betriebswirtschaftslehre, Agrarbiologie, Internationale Geschäftskommunikation, Pädagogik, Psychologie oder Ernährung und Chemie. Mittlerweile wird etwa jedes dritte Abitur in Baden-Württemberg an einem Beruflichen Gymnasium abgelegt.

Dessen Anfänge gehen auf das Jahr 1967 zurück. Im Zuge der Ratifizierung des 1964 geschlossenen „Hamburger Abkommens“, welches das Schulwesen vereinheitlichen sollte, wurden die kaufmännischen Vorgängerschulen umbenannt. Außerdem wurden gleichzeitig auch im technischen und hauswirtschaftlichen Bereich Berufliche Gymnasien eingeführt. Der Ursprung des Beruflichen Gymnasiums liegt sogar schon 90 Jahre zurück, als in Baden im Jahr 1926 die kaufmännische Vorläuferschulform ins Leben gerufen wurde.

Im Landkreis Waldshut gibt es mittlerweile fünf berufliche Gymnasien:
Es begann 1967 mit dem Wirtschaftsgymnasium in Waldshut, 1976 folgten das Technische Gymnasium Waldshut und das Wirtschaftsgymnasium in Bad Säckingen, 1979 das Ernährungswissenschaftliche Gymnasium und 2001 das Biotechnologische Gymnasium, beide in Waldshut. In den Wirtschaftsgymnasien wurden spezialisierte Züge, wie „Finanzmanagement“ (WT) und „Wirtschaftsinformatik“ (BS) eingerichtet, im Technischen Gymnasien die Züge „Mechatronik“, „Technik und Management“ sowie „Informationstechnik“. Im Schuljahr 2009/10 wurde in Bad Säckingen das Sozialwissenschaftliche Gymnasium mit den Profilfächern Pädagogik und Psychologie eröffnet. Nahe an der beruflichen Praxis ist die Innovationsbereitschaft symptomatisch für Berufliche Gymnasien und zeigt sich etwa im verstärkten Einsatz von Tablets im Unterricht. Für Auszubildende mit Fachhochschulreife oder Abitur soll künftig parallel zur Ausbildung ein zum Bachelor führendes begleitendes Studium angeboten werden.

Jedes Jahr verlassen im Landkreis etwa 300 Schülerinnen und Schüler diese Schulen als frischgebackene Abiturienten, etwa ebenso viele wie aus den allgemeinbildenden Gymnasien, und beginnen ein Studium oder eine Ausbildung.

Um das Jubiläum und den Erfolg dieser praxisnahen Schulart gebührend zu feiern, findet heute (am 7. Dezember) der „Tag des Beruflichen Gymnasiums“ mit einem vielfältigen Programm inklusive Fachkongress und Podiumsdiskussion in Fellbach statt. Prominenteste Teilnehmerin ist Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann, welche sich mit ehemaligen Absolventen Beruflicher Gymnasien – darunter beispielsweise Christian Seifert, Vorsitzender der Deutschen Fußball Liga und Muhterem Aras, Landtagspräsidentin in Stuttgart – über die Chancen, Herausforderungen und Zukunftsthemen der Schulform unterhalten wird.

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